Das Schlagloch behindert – nicht der Rollstuhl

Der zweite Gewinner der “Change your Perspective”-Fotoaktion mit EyeEm hat während seiner Zeit bei den Sozialhelden einen guten Blick für Barrieren entwickelt. Andi erzählt, wie das Bild, über das ihr bei Facebook abgestimmt habt, entstanden ist.

Unter dem Pseudonym “ohrenflimmern” treibt sich Sozialheld Andi Weiland auch bei der Foto-Community EyeEm herum. Sein Bild, das das Schlagloch-Manöver einer Rollstuhlfahrerin zeigt, erhielt in dem Fotowettbewerb auf Facebook 16 Likes.

Wie ist das Bild entstanden?

“Das Bild ist bei einer Mapping-Aktion mit Kreativen des D.Collectives und Wheelmap.org entstanden. Wir waren in Berlin Neukölln unterwegs und haben Interessierten gezeigt, welche Barrieren für Menschen im Rollstuhl oder auch mit Sehbeeinträchtigungen vorhanden sind. Dazu konnten sich die Teilnehmer selbst durch dunkle Brillen oder Rollstühle in die Situation versetzen. Auf dem Bild sieht man jedoch eine “echte” Rollstuhlfahrerin, die aber genau wie jeder andere Mensch Probleme mit dem Schlagloch hatte. Ich arbeite ja selbst bei den Sozialhelden unter anderem für das Projekt Wheelmap.org und mag solche Mapping-Aktionen, weil wir damit Menschen ganz praktisch für das Thema Barrierefreiheit und Inklusion sensibilisieren können. Bei solchen Aktionen habe ich auch immer die Kamera dabei, weil ich es wichtig finde, die Probleme (aber auch alles rundherum) zu dokumentieren und auch andere Menschen zu motivieren, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.”

Ist in deiner Umgebung Barrierefreiheit ein Thema und wie wird damit umgegangen?

“Bevor ich bei den Sozialhelden angefangen habe, hatte ich von diesen Themen nur wenig Ahnung, weil auch in meinem Umfeld wenige Menschen mit Behinderungen waren und beispielsweise meine Schule das komplette Gegenteil von rollstuhlgerecht ist. Durch unsere Arbeit an Wheelmap.org und Leidmedien.de habe ich mich in den letzten drei Jahren immer mehr in das Thema vertieft und dabei ist mir aufgefallen, dass es selten Bilder von Menschen gibt, die durch Barrieren behindert werden, sondern ganz oft welche, wo nur der Rollstuhl die Behinderung ausdrückt. Dabei bedeutet dieser ja erstmal Freiheit, bis dann eine Stufe, eine Treppe oder ein defekter Fahrstuhl auftaucht. Und da ich in meiner Freizeit sehr gerne fotografiere, dachte ich, dass ich die beiden Sachen doch miteinander kombinieren kann. So habe ich in den letzten Jahren einige Bilder zu Barrieren fotografiert und hoffe, dies in Zukunft auch noch auszuweiten, weil es bisher ganz oft um Mobilitätseinschränkungen ging, aber es natürlich noch viele andere Barrieren gibt, die behindern.”

 Welche Botschaft würdest du in Sachen Barrieren bzw. Barrierefreiheit an dein Umfeld senden?

“Ich würde mich freuen, wenn der Abbau von Barrieren keine Frage des Geldes mehr ist, sondern in einer Gesellschaft des 21. Jahrhunderts zu einer Selbstverständlichkeit gehört. Denn durch mehr Barrierefreiheit schaffen wir uns eine Vielfältigkeit, die uns allen was bringt. So würde sich auch jeder Paketzusteller über weniger Stufen freuen und auch ich nutze gerne mal den Aufzug, wenn ich gerade lauffaul bin.”

Wir freuen uns sehr, dass uns Andi zu vielen Anlässen seine Fotokünste auch für Wheelmap.org immer wieder zur Verfügung stellt – indem er mit der Kamera draufhält, auf die Barrieren.

Veröffentlicht in Aktionen, Aktuelles
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