David Lebuser – „Für mich bedeutet Skaten einfach Freiheit“

David Lebuser hat das Chairskating nach Deutschland geholt. Mittlerweile wird er bundesweit von Skatehallen und Skateparks für seine WCMX-Workshops angefragt. Er möchte in seinen Kursen noch mehr Rollstuhlfahrer dazu ermutigen, die eigenen Grenzen herauszufinden, erzählt er im Interview.

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Chairskater David Lebuser beim Workshop: 2013 wurde er bei der WCMX-Weltmeisterschaft in Kalifornien Dritter

Bei einem Chairskating-Workshop mit David Lebuser im Lindenpark in Potsdam haben wir vor Kurzem viele Eindrücke gesammelt. Anschließend stellten wir unserem Rampenbotschafter noch ein paar Fragen: wie er zum WCMX gekommen ist, welche Ziele und Motivationen hinter seinen Workshops stehen und wie er die Entwicklung des Chairskatings in Deutschland einschätzt.

Was war das für ein Moment, in dem du entschieden hast: Skaten mit dem Rollstuhl – das probiere ich aus?

David: Eigentlich schon recht früh in der Reha, nachdem das normale Rollstuhltraining dort nicht mehr ausgereicht hat. Bordsteinkanten, Treppen hoch wie runter waren schon recht geübt, also hab ich nach neuen Herausforderungen gesucht und da gab es dann diesen Aaron Fotheringham mit ziemlich unglaublichen Videos auf Youtube.

Was bedeutet Chair-Skating seitdem für dich?

David: Für mich bedeutet Skaten einfach Freiheit. Wenn ich im Skatepark bin, kann ich alles andere vergessen, den Stress, den Alltag, die Fehlentscheidungen des täglichen Lebens… Es hilft mir, den Kopf frei zu bekommen und ganz nebenbei auch meinen Rollstuhl besser zu beherrschen und je besser man das kann, umso freier kann man sich in dieser noch lange nicht barrierefreien Welt bewegen.

Seit 2013 gibst du WCMX-Workshops. Was sind deine Ziele?

David: Als ich 2012 das erste Mal in den USA war, habe ich bei einer Veranstaltung von „Life Rolls On“ namens „They Will Skate Again“ teilgenommen. Obwohl ich es besonders schätze, dass ich eben einen Sport mache, der mich unter Skateboarder, BMXer und Inliner bringt und eben nicht nur Rollstuhlfahrer, gab mir die Möglichkeit mich mit anderen auszutauschen so viel, dass ich das auch für Deutschland möglich machen wollte. Mit den Workshops möchte ich gerne noch mehr Rollstuhlfahrer dazu ermutigen, eigene Grenzen herauszufinden und zu verschieben. Das möchte ich gern für möglichst viele Regionen erreichen, denn zu oft wird Rollstuhlfahrern noch der Zutritt zu Skateparks verwehrt.

Was können die Teilnehmenden für ihren Alltag aus den Workshops mitnehmen?

David: Es ist ein spielerisches Erlernen von Grundfertigkeiten des Rollstuhlfahrens. Vor allem für Kinder ist ein normales Rollstuhltraining oft sehr ermüdend, wie Schule halt. Im Skatepark können sie sich austoben und auf den verschiedenen Schrägen und Kanten lernen sie schnell, was sie dann auch im Alltag gebrauchen können.

Wie ist dein Rollstuhl im Vergleich zu Standard-Modellen ausgerüstet?

David: Ich habe mittlerweile einen speziellen Skate-Rollstuhl, der mit deutlich mehr Materialstärke, einigen Verstrebungen mehr und einer Federung daherkommt, damit auch bei Sprüngen die Kraft nicht immer gleich in den Rahmen und vor allem in den Rücken geht.

Was muss man beachten, wenn man an einem deiner Workshops teilnehmen will?

David: Bei den Workshops ist jeder Aktivrollstuhl geeignet, denn am Anfang werden wir keine großen Stunts machen, dafür viele kleine. ;) Auch der Nutzer braucht keine großen Fähigkeiten mitzubringen, denn wir haben immer den ein oder anderen Anschieber, Aufhelfer und Absicherer dabei, um möglichst Vielen die Teilnahme zu ermöglichen. Aber es ist natürlich von Vorteil, wenn man seinen Rollstuhl selbst antreiben kann und die Grundfertigkeiten des Rollstuhlfahrens schon im Blut sind. Bisher haben wir aber auch den heterogensten Gruppen noch genügend Herausforderungen bieten können.

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Mit dem speziell angepassten Rollstuhl kann David Lebuser auch solche Slide-Tricks starten.

Wie schätzt du die Entwicklungen im WCMX für die nächsten Jahre ein?

David: Wenn ich die Kids sehe, die zu meinen Workshops kommen, dann schätze ich die kommende Rolli-Generation als eine sehr aktive und positive ein. Ich denke, dass immer mehr den Weg in den Skatepark finden werden. Gerade wenn die Schulen endlich inklusiv werden, werden sich auch immer mehr Freundeskreise bilden, wo der oder die eine Skateboard fährt und der oder die andere halt Rollstuhl oder BMX.

Neue Termine für Workshops von David findet ihr zukünftig in der Sparte „Actionsport“ im Online-Kalender des Deutschen Rollstuhlsportverbandes (DRS).

Fotos: Andi Weiland | SOZIALHELDEN e.V. (cc by)

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Eine Antwort zu “David Lebuser – „Für mich bedeutet Skaten einfach Freiheit“”

  1. Claudia Fedder sagt:

    Ich finde es klasse was David in seinen Workshops macht und auch das, das Leute ausprobieren können die nicht auf den Rollstuhl angewiesen sind. seine Tante Claudia

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