“Lernen durch Handeln” – der Hintergrund zu “Wheelmap macht Schule”

Viele Lehrerinnen und Lehrer haben das Unterrichtsmaterial zu “Wheelmap macht Schule” bei uns bestellt. Initiatorin Lisa Manthey erzählt im ersten Teil des Interviews, wie das Projekt entstanden ist und welche pädagogischen Überlegungen der Unterrichtsreihe zu Behinderung, Barrieren und Inklusion zugrunde liegen.

Lisa

Lisa Manthey ist seit 2010 im Vorstand des Sozialhelden e.V., Lehrerin und Initiatorin von “Wheelmap macht Schule”

Wir stellen vor: Lisa Manthey. Sie gehört seit Beginn des Sozialhelden e.V. im Jahre 2008 mit zum Team. Damals hat sie sich hauptsächlich mit dem Projekt “Pfandtastisch helfen!” beschäftigt. Als sie ihr Referendariat für die Fächer Englisch, Spanisch und Ethik aufnahm, wechselte Lisa dann in die ehrenamtliche Tätigkeit: Seit 2010 ist sie im Vorstand der Sozialhelden – und hat das Projekt “Wheelmap macht Schule” ins Leben gerufen.

Lisa, wie kamst du auf “Wheelmap macht Schule”?

Der Hintergrund für “Wheelmap macht Schule” bestand darin, ein Projekt zu finden, dass die bereits sehr erfolgreiche Wheelmap mit der Community und meinem pädagogischem Know-how zusammenbringt. Die Frage war also, wie können wir die Bereiche weiter ausbauen und was kann ich im Speziellen dazu beitragen.

Ich wollte die Wheelmap an die Schule bringen und dafür das didaktische Wissen beitragen, d.h. wie man das Thema aufbereiten kann, so dass es Schülerinnen und Schüler verstehen. Im Sommer 2012 haben wir dann das Konzept erstellt und 2013 umgesetzt, so dass die Unterrichtsmaterialien im Frühling 2013 einsatzbereit waren.

Wer hat daran alles mitgewirkt?

Ich habe die Initiative ergriffen und zunächst eine Schulung mit den Sozialhelden zur Erstellung von Unterrichtsmaterial und dem Planen von Unterrichtseinheiten gemacht. Damit hatte ich dann ein Team, das an den Materialien mit unterschiedlichen Kompetenzen mitgearbeitet hat: Lili und Laura zum Beispiel haben sich um die Rolle der Journalisten gekümmert, Frieda hat Community-Komponenten hineingebracht, Adina hat das Design erstellt.

Was ist der pädagogische Ansatz von “Wheelmap macht Schule”?

Das Material ist als projekt- und produktorientierte Unterrichtsreihe konzipiert. Es geht ums “Lernen durch Handeln”, d.h. die Schüler sollen das Wissen nicht nur aufnehmen, sondern sollen durch das Wissen selbst auch tätig werden und am Ende ein Ergebnis haben. Den Schülerinnen und Schülern sollte sehr schnell klar werden, dass sie die theoretische Auseinandersetzung mit Behinderungen und Barrieren im praktischen Teil des Projekts brauchen.

Außerdem ist der Ansatz der Differenzierung stark in das Material mit eingeflossen, d.h. dass sich jede/r Jugendliche mit individuellen Talenten, Interessen, intellektuellen Fähigkeiten usw. einbringen kann.

Welche Materialien werden zur Verfügung gestellt?

Den Lehrerinnen und Lehrern wird für den theoretischen Teil eine Powerpoint-Präsentation zur Verfügung gestellt, mit der sie auf das Kernstück der Reihe hinführen können und die einen Einstieg in das Thema bietet.

Auszug aus der Präsentation "Wheelmap macht Schule": Sensibilisierung für Barrieren

Auszug aus der Präsentation “Wheelmap macht Schule”: Sensibilisierung für Barrieren

Dabei wird die Klasse für das Thema Barrieren sensibilisiert:

Wie entstehen in der Gesellschaft die Barrieren in den Köpfen? Was wird als “normal” empfunden, wer bestimmt dies, was gibt es für Vorstellungen, Berührungsängste und Erfahrungen in Bezug auf Menschen mit Behinderung?

Das Kernstück ist dann der Projekttag. Die Jugendlichen erkunden in Gruppen ihren Stadtteil.

  • Sie erleben Barrieren ihrer Umgebung (Rollstuhlfahrer),
  • tragen den Status der Rollstuhlgerechtigkeit von Orten in der  Wheelmap ein (Mapper),
  • überprüfen die baulichen Gegebenheiten vor Ort und sprechen in beratender Funktion mit Ladenbesitzern (Architekten),
  • stellen Passanten Fragen zu Behinderung und Barrieren (Statistiker) und
  • berichten in angemessener Sprache über ihre Beobachtungen (Journalisten).

Das Ziel des Projekttages ist, dass aus verschiedenen Perspektiven ein Bild der Barrieren und der Sicht auf Behinderung entsteht.

Wie sind die verschiedenen Rollen im praktischen Teil entstanden?

Uns war es wichtig, dass fächerübergreifendes Arbeiten möglich ist, deshalb haben wir zum Beispiel die Statistiker mit aufgenommen, so dass auch der Fachbereich Mathematik einen Anknüpfungspunkt findet. Die Rolle der Architekten kam durch den Kontakt zu unserem Experten für barrierefreie Architektur, André Burkhardt, zustande.

Zur Rolle der Journalisten haben Lili und Laura von dem Sozialhelden-Projekt Leidmedien.de beigetragen. Auf diese Weise haben wir also die Kompetenzen innerhalb des Teams ausgeschöpft und mit in die Unterrichtsreihe einfließen lassen.

Außerdem ist wie auch bei Mapping-Events und Social Days der Community-Gedanke enthalten: Die Gruppe kommt mit den Menschen in ihrer Umgebung in Kontakt, z.B. mit dem Personal in den örtlichen Läden und Einrichtungen und den Menschen auf der Straße. Damit haben die Schülerinnen und Schüler auch eine Art Botschafterrolle inne. Sie erfahren, wie sich soziales Engagement anfühlt.

Veröffentlicht in Schulprojekt
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Wie nehmen wir Barrieren wahr? Welche Grenzen bilden sich in unseren Köpfen? Um diese und ähnliche Fragen geht es im Schulprojekt zur Inklusion, “Wheelmap macht Schule”, zu dem wir kostenlos Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen.

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