Interview mit Biathletin Verena Bentele Teil 2

Nachdem Raul im ersten Teil des Interviews mit Verena Bentele viel über ihren Sport gesprochen habt, geht es jetzt um Barrieren im Sportbetrieb und die interessante Frage, warum (noch) nicht mehr Menschen mit Behinderung einen Sport betreiben.

Verena Bentele und Alex Heim

Verena Bentele und Alex Heim

 

Gibt es auch im Sportbetrieb Barrieren?

Ja, gerade wenn man einen Outdoor-Sport macht wie ich. Da findet das Training draußen, in einer ungewohnten Umgebung statt. Das geht in meinem Fall speziell als blinde Athletin natürlich nur mit Begleitläufer, der z.B. beim Tandemfahren als Pilot vorne drauf sitzt oder beim Joggen neben mir läuft, beim Langlaufen vor mir.

Und gibt es auch Barrieren in den Köpfen im Sportbereich?

Ganz ganz riesige Barrieren! Neben den Alltagsbarrieren und diesen Mobilitätsbarrieren gibt es natürlich die Barrieren in den Köpfen. Und das ist in meinen Augen das dickste Brett, an dem wir bohren müssen! Die entscheidende Sache ist, dass die Menschen ohne Behinderung Menschen mit Behinderung nur aus ihrer Perspektive bewerten. Die sehen einen Sportler, der vielleicht ein bisschen langsamer läuft und denken sofort, ach, der kann eben nicht so schnell, der sieht ja nichts. Also ist die Leistung auch nicht gleich zu bewerten. Aus diesem Grund haben für viele Menschen die Paralympics keinen vergleichbaren Stellenwert wie die Olympischen Spiele.
Ich würde mir wünschen, dass Menschen mit und ohne Behinderung besser kommunizieren, dass sie häufiger mit Fragezeichen auf das Gegenüber zugehen. Diese Verbesserung der Kommunikation wäre ein erster Schritt, ein Schritt, der keinen Cent kostet.

Was müsste deiner Meinung nach getan werden, um noch mehr Menschen mit Behinderung für den Sport zu begeistern?

Das frage ich mich auch oft. Es gibt inzwischen sogar Sportvereine die mich ansprechen weil sie Angebote haben, aber nicht genug Menschen mit Behinderung, die sich dafür interessieren. Ich sehe da definitiv als Hauptbarriere das Thema Mut. Ich denke man muss vielen Menschen mit Behinderung den Mut machen, zu einem Sportverein hin zu gehen und einfach zu sagen, dass man z.B. mit in die Laufgruppe möchte. Auch auf die Gefahr hin, dass es bei den ersten zwei Mal vielleicht noch schwierig ist, bis man jedemanden gefunden hat, der den Begleitläufer macht. Aber man gibt sich selber die Chance, dass man sich bewegen kann, dass man Leute kennen lernen kann. Und man gibt auch allen anderen die große Chance, dabei was zu lernen. Und ich glaube, dass Sportler oft offene und tolerante Menschen sind, dass eine Inklusion funktionieren kann. Ich würde viele Menschen die eine Behinderung haben sehr gerne motivieren, geht einfach zu eurem nächsten Sportverein, schaut euch um nach Angeboten oder helft vielleicht einem Sportverein, Angebote zu schaffen und z.B. eine inklusive Sportgruppe zu gründen. Auch das ist eine Möglichkeit!

Welche Ziele hast du dir noch für die nächsten Jahre gesetzt?

Eins meiner Ziele ist es für das Thema Inklusion im wahrsten Sinne des Wortes den Wettkampf mitzugestalten. Also dafür zu kämpfen, mich dafür einzusetzen und auch dafür Werbung zu machen. Inklusion ist eine positive Bewußtseinserweiterung, eine Perspektivveränderung und eben nichts, was uns einschränkt, hemmt oder behindert. Inklusion ist eine Vielfalt, die für jedes Unternehmen, für jede Gesellschaft insgesamt eine große Bereicherung ist.
Außerdem möchte ich mich natürlich in meiner Arbeit weiterentwickeln, mit den Themen meiner Vorträge, Seminare und Coachings. Dort möchte ich auch meine Erfahrungen weitergeben.
Und sportliche Ziele habe ich natürlich auch, ich möchte auch in Zukunft regelmäßig an meine körperlichen Grenzen gehen.

Veröffentlicht in Allgemeines
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