Interview mit Biathletin Verena Bentele

Am 2. September überreichte Raul gemeinsam mit der Langläuferin und Biathletin Verena Bentele 38.444 Unterschriften für die Petiton “Stopp den Kreislauf von Armut und Behinderung”. Die Petition wurde an Gudrun Kopp, die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, übergeben.

Nach der Übergabe sprach Raul noch mit Verena Bentele, die vierfache WM- und zwölffache Paralympics-Siegerin ist.

Foto von: Christoffel-Blindenmission

Foto von: Christoffel-Blindenmission

Was treibt dich zu deinen Leistungen an?

Mich treibt zu meinen Leistungen natürlich vor allem mein Wille. Der Wille gibt am Ende die entscheidende Kraft für sportliche Höchstleistungen. Ich habe mir schon immer Dinge und Ziele gesucht, die mich begeistern, die mir richtig Freude machen. Diesen Willen, das ist meine Überzeugung, den braucht jeder Mensch. Und Menschen mit einer Behinderung vielleicht noch mal doppelt. Denn im Alltag gibt es einfach manchmal Schwierigkeiten wo man nicht so leicht sagen kann “Ne jetzt mag ich nicht mehr”, da hilft einem vielleicht nicht der Erste den man fragt, sondern man muss noch eine zweite oder dritte Person ansprechen. Dafür braucht man schon ein großes Durchhaltevermögen und diese Fähigkeit ist auch für den Sport hilfreich.

Was war deine bisher persönlich größte Leistung? Auf was bist du richtig stolz?

Richtig stolz bin ich, klar, natürlich auf meine sportlichen Leistungen. Vor allem darauf, dass ich so lange im Sport erfolgreich war. Aber ich bin jetzt auch wirklich stolz darauf wenn ich von Eltern Mails oder Anrufe bekomme, die Kinder mit einer Behinderung haben und sagen “Mensch, jemand wie Sie oder viele andere Menschen mit Behinderung sind Vorbildern und können uns und unseren Kindern Mut machen”.
Was mich freut, das ist wenn diese Eltern oder Freunde sehen, dass es so viele Menschen mit Behinderung in Deutschland gibt die gut klar kommen. Wie ich und wie viele andere und wie auch du, Raúl. Mit einem Leben Mitten in der Gesellschaft können wir durch unser Beispiel etwas mitgeben, wir können vielleicht manche Startängste nehmen.

Verena Bentele

Verena Bentele

Auf was für Barrieren stößt du trotzdem?

Oft sind es Verständnisprobleme. Leute machen manchmal komische Sachen. Heute Morgen z.B. bin ich mit dem Zug von München nach Berlin gefahren. Mein Stock ist ein wenig auf dem Zugfußboden verrutscht und dann hat ein Mann den Stock genommen und mir mit meinem eigenen Stock auf die Hand geklopft. Das fand ich etwas übertrieben. Er hätte mich ja auch einfach ansprechen können, schließlich kann man mit mir verbal gut kommunizieren. Oder wenn ich z.B. durch Baustellen laufe und keiner erklärt mir den Weg. Oder Bushaltestellen sind verlegt und ich weiß nicht, wo die Ersatzhaltestelle ist. Das sind Mobilitätsbarrieren, die ich überwinden muss.
Oder ich kann z.B. im Supermarkt die Aufschrift auf der Milchpackung nicht lesen und erkenne nicht, ob es normale oder fettreduzierte Milch ist. Diese Kleinigkeiten sind es, die mich manchmal aufhalten.

Wie sieht es in deiner Heimatstadt München mit der Barrierefreiheit aus?

In München gibt es viele gute Beispiele, das U-Bahn System z.B. würde ich sagen ist wirklich gut. Aber es gibt natürlich auch noch verbesserungswürdige Stellen. In der S-Bahn gibt es z.B. zum Teil noch sehr große Stufen. Das ist für Blinde vielleicht nicht das große Problem, aber für Rollstuhlfahrer eben schon. Es gibt z.B. in der Nähe der Uni noch Kreuzungen ohne Blindenampel, das ist unverantwortlich. Da gibt es schon noch Nachholbedarf. Aber in München sind die Anstrengungen für ein barrierefreies Leben seit vielen Jahren sehr groß.

Im zweiten Teil spricht Verena Bentele über Barrieren im Sportbetrieb und in München sowie ihre Zukunftsaussichten.

Veröffentlicht in Allgemeines
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