Wie rollstuhlgerecht ist Göttingen? – Konfirmanden beim “Wheelmapping”

Am 15. Februar 2014 haben 16 Konfirmanden und Konfirmandinnen aus Göttingen eine Mapping-Aktion durchgeführt. Ihr Ziel: So viele Orte wie möglich auf Rollstuhlgerechtigkeit überprüfen und in der Wheelmap eintragen. Mit Rollstühlen erkundeten sie die Stadtteile rund um die Christophoruskirche.

Die 16 Jugendlichen wollten wissen, wie rollstuhlgerecht ihre Stadt ist und erfuhren bei ihrer Mapping-Aktion in den Stadtteilen Nordstadt und Weende, welchen Barrieren RollstuhlfahrerInnen in ihrer Umgebung täglich begegnen.

Unter Anleitung von Christina Costanza, die sowohl Pastorin als auch Beauftragte für Inklusion in der Christophorusgemeinde Göttingen ist, machten sich die vier Gruppen zu Fuß und im Rollstuhl auf den Weg. Diese waren von der Diakonie Christophorus Göttingen und dem Seniorenzentrum Luisenhof Göttingen zur Verfügung gestellt worden.

Zuvor hatten sie mithilfe des Unterrichtsmaterials “Wheelmap macht Schule” eine theoretische Einführung zu Behinderung und Barrieren erhalten. Neben der Organisatorin Costanza begleiteten Pastor Thorsten Rohloff und Diakon Uwe Wendelborn die Aktion.

“Menschen im Rollstuhl haben oft erhebliche Nachteile”

Der Konfirmand Tammo Amadeo Kratzin berichtet von den Erlebnissen der Mapping-Aktion:

Wir gehen durch die große Eingangstür mit dem „Rewe“-Logo, sehen uns um, betrachten alles mit kritischen Blicken. Gibt es irgendwelche fiesen Bodenkanten oder Stufen? Kommt man problemlos an alles ran?

Diese und andere Fragen stellen wir uns, während wir durch den Supermarkt gehen – vier von uns zu Fuß, einer im Rollstuhl. Manche Leute gucken komisch, andere machen sofort Platz, wieder andere beachten uns gar nicht.

So viele Orte wie möglich überprüfen

Was viele von ihnen nicht wissen: Eigentlich sitzt keiner von uns im Rollstuhl, auch nicht derjenige, der augenblicklich so tut als ob. Wir sind im Bereich rund um die Christophoruskirche Göttingen unterwegs um an einer Aktion teilzunehmen, die sich „Wheelmapping“ nennt.

Darunter versteht man, in einer Gegend alle möglichen Orte darauf zu überprüfen, wie gut oder eben nicht gut sich Rollstuhlfahrer dort bewegen können und ob sie dort überhaupt ungehindert hinkommen. Dies trägt man dann auf Wheelmap.org, einer interaktiven Karte für rollstuhlgerechte Orte ein, die von jedem abgerufen werden kann.

Das Ganze war eine Aktion, die im Rahmen unseres Konfirmandenunterrichts stattfand. Wir haben uns in vier Gruppen aufgeteilt und sind losgezogen. Jede mit einem anderen Zielbereich und nur mit der Vorgabe, so viele Orte wie möglich zu überprüfen.

Viele Orte nicht auf RollstuhlfahrerInnen ausgerichtet

Dabei haben wir viele neue Erfahrungen gesammelt: Zum Beispiel ist eine Gruppe Bus gefahren. Dabei war interessant, welche Schwierigkeiten Rollstuhlfahrer allein in unserem alltäglichen Leben haben, einfach weil Einrichtungen in vielen Fällen nur für den größten Teil der Bevölkerung eingerichtet sind, und nicht für diejenigen, die im Rollstuhl sitzen.

Erschreckend war, wie wenige Orte wir im Endeffekt mit einem „voll rollstuhlgerecht“ kennzeichnen konnten. Wie schon erwähnt sind viele Einrichtungen, sei es nun ein Supermarkt, eine Kirche oder ein Parkplatz einfach überhaupt nicht darauf ausgerichtet, dass auch Menschen, die einen Rollstuhl benutzen, sich dort bewegen könnten.

Nachteile durch bauliche Gegebenheiten

Abschließend waren sich alle einig: Man macht es sich vielleicht nicht immer so klar, aber dadurch, dass unsere heutige Welt so gebaut ist, wie sie gebaut ist, haben Rollstuhlfahrer in einigen Punkten erhebliche Nachteile gegenüber anderen Menschen, die sich auf zwei Beinen fortbewegen können.

Und uns ist klar geworden, so eine interaktive Online-Karte ist in diesem Falle sehr hilfreich, also macht alle mit: Startet selbst solche Aktionen oder achtet einfach generell darauf, dann könnt ihr in einer freien Minute vielleicht einmal einen eben besuchten Ort kennzeichnen!

Und wer dem Appell von Tammo nachkommen möchte, kann bei uns die Infomaterialien zur Mapping-Aktion und zu “Wheelmap macht Schule” anfordern.

Veröffentlicht in Aktuelles, Mapping-Aktion
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Hier beantworten wir häufig gestellte Fragen rund um die Funktionalität der Wheelmap.
Wann ist ein Ort rollstuhlgerecht?
Ein einfaches Ampelsystem kennzeichnet die Rollstuhltauglichkeit der Orte:
Der Ort mit all seinen Räumen ist rollstuhlgerecht.
Der Ort ist prinzipiell zugänglich, aber nicht alle Räume.
Der Ort ist für einen Rollstuhlfahrer nicht zugänglich.
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