“Hilf mir mal!” – Pfadfinder mit Rollstühlen auf Mapping-Tour

Bei einer Mapping-Aktion am 30. August machten sich zwei Pfadfinderstämme auf den Weg, um ihre Heimatstadt Windischeschenbach in Bayern aus der Rollstuhl-Perspektive zu erkunden. Sie stießen auf viele Barrieren – aber auch auf viel Hilfsbereitschaft.

Was die Pfadfinder der Stämme DPSG St. Georg Windischeschenbach und Don Bosco Neuhaus während ihrer Tour mit der Wheelmap erlebt haben, beschreiben die Leiterinnen Miriam Würth und Bettina Wolf:

“Steile Straßen, Kopfsteinpflaster und Stufen vorm Geschäft – noch bevor wir überhaupt ans Bewerten dachten konnten, wurden wir bereits vor große Hürden gestellt.

Interessant waren vor allem die Gespräche mit den Geschäftsinhabern. In Gaststuben, wo oft Treppen unvermeidbar sind, wurden beispielsweise Menschen mit Behinderung oftmals die Treppen hinaufgetragen. Inwieweit das für den Betroffenen angenehm ist, sei dahingestellt.

Barrieren – nicht ohne fremde Hilfe

Schnell merkten wir, dass es ganz schön viel Kraft kostet, einen Rollstuhl bergauf zum nächsten Supermarkt zu schieben. Alleine war das fast unmöglich. „Hilf mir mal“, hörte man immer wieder.

Eine Friseurstube hat eine gute Lösung gefunden: „Für Personen mit Rollator, Rollstuhl oder auch Kinderwagen haben wir eine Rampe, welche wir bei Bedarf über die Treppe legen können“, meint die Friseurin. Lebensmittelgeschäfte waren hingegen überwiegend gut per Rollstuhl zu erreichen, weil auch für die Einkaufswägen ein ebener Eingang nötig ist.

Schwieriger wurde es hingegen im Geschäft, wenn man den Joghurt aus dem oberen Kühlregal haben wollte oder die Packung Nudeln aus der untersten Reihe. Teilweise wird Rollstuhlfahrern Hilfe angeboten. Im Geschäft kann sich der gehbehinderte Mensch an der Kasse melden, erklärt eine Verkäuferin, dann könne jemand beim Einkauf helfen.

Eine Stufe bis zum Schokoeis

„Ich komme nicht einmal ans Eis in der Gefriertruhe!“, schimpfte ein Test-Fahrer. Wir merkten recht schnell, dass man als Rollstuhlfahrer immer wieder auf fremde Hilfe angewiesen ist. Selbst in der Eisdiele musste man erst gemeinsam die Stufe überwinden, bis man sich die Kugel Schokoeis bestellen konnte.

Meist wurden wir Pfadfinder freundlich begrüßt und unsere Aktion für gut geheißen. Die Leute auf der Straße freuten sich, dass sich jemand traut, das Thema anzusprechen. Unser Ziel war aber auf jeden Fall erreicht: Den Menschen die Augen zu öffnen und zum Nachdenken anzuregen.”

Fotos: Miriam Würth

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Veröffentlicht in Mapping-Aktion
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