Positives Feedback zu “Wheelmap macht Schule” von Lehrern und Schülern

Die Sophie-Scholl-Schule in Berlin hatte im November 2013 mithilfe des Unterrichtsmaterials “Wheelmap macht Schule” einen großen Projekttag zu Barrieren und Inklusion veranstaltet. Die abschließende Evaluation von Schülern und Lehrern fällt sehr positiv aus.

Wheelmap macht Schule

Die Unterrichtsreihe besteht aus einem theoretischen Teil, in dem sich die Schülerinnen und Schüler mit den eigenen Vorstellungen, Berührungsängsten und Erfahrungen in Bezug auf Menschen mit Behinderungen auseinandersetzen.

In dem praktischen Teil schlüpfen die Jugendlichen in die Rollen von Rollstuhlfahrerinnen/ Rollstuhlfahrern, Mapper/ Mapperinnen, Journalistinnen/ Journalisten, Statistikerinnen/ Statistikern und Architektinnen/ Architekten, die sie zuvor erarbeitet haben.

Fächer, Unterrichtseinheiten und Niveaustufen

Nach der erfolgreichen Umsetzung mit den 700 Schülerinnen und Schülern der Sophie-Scholl-Schule befragten wir die 30 beteiligten Lehrerinnen und Lehrer, in welchem Fach das Thema vorbereitet wurde.

Die Mehrheit der Klassen behandelte das Projekt im Ethik-Unterricht (70 Prozent bei 24 Befragten).Die Projektarbeit zu den Themen Behinderung, Inklusion und Barrieren wurde zudem in den meisten Fällen jedoch zusätzlich in Tutorenstunden (66 Prozent), im Fach Gesellschaftwissenschaften (33 Prozent) oder im Fach Deutsch (8 Prozent) fortgesetzt.

Auf diese Weise füllte “Wheelmap macht Schule” am häufigsten 4 oder 6 Unterrichtseinheiten; aber auch in einem 3- oder 5-Stunden-Modell wurde das Projekt mehrfach durchgeführt.

Dass 80 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer darüber hinaus Anleitung und Aufgaben für die unterrichtete Klassenstufe als “angemessen” bewerteten (“trifft voll zu”/ “trifft zu”), zeigt die Flexibilität, die das Material insgesamt bietet. Dreiviertel der Lehrkräfte konnten mit den Erläuterungen gut arbeiten.

Lebhafte Eindrücke von Barrieren

Über 100 von 133 befragten Schülerinnen und Schüler gaben an, interessante Erfahrungen in ihren Rollen gemacht zu haben.

Damit bestätigten sie die mehrheitliche Einschätzung der Lehrerinnen und Lehrer, dass Inhalte und Methode von “Wheelmap macht Schule” motivierend für die Jugendlichen gewesen seien, ihre Schülerinnen und Schüler das Thema Inklusion wichtig fanden und neue Erkenntnisse bezüglich Barrieren gewinnen konnten.

Die lebhaften Darstellungen in den Abschlussberichten spiegeln genau dies wider. Yannik (Klassenstufe 9) schrieb zum Beispiel über die Schwierigkeiten in der Gruppe der RollstuhlfahrerInnen:

“Beim Hinweg mit der U-Bahn traten die ersten Probleme auf, denn der Fahrstuhl war defekt, das war nicht so schön. Wir haben dann den Notknopf für Rollstuhlfahrer gedrückt, aber der Mann, der mit uns gesprochen hat, konnte uns auch nicht weiter helfen. Deswegen mussten wir zwei Mitschüler von mir, die im Rollstuhl saßen, mit ein paar freundlichen Helfern die Treppe hochtragen.”

Die Mapper derselben Gruppe, die auf dem Kurfürstendamm mit der Wheelmap-App unterwegs waren, stuften die meisten Shops, Cafés und Restaurants rot ein: “Es war, finde ich, erschreckend, wie viele Orte nicht barrierefrei sind”, berichtete Yannik weiter.

Auch Yumisa und ihre BegleiterInnen aus Klasse 9.33 kamen zu einer ähnlichen Beurteilung, nachdem sie auf die Eingänge der Läden im Kiez einmal genau geachtet hatten:

“Uns ist aufgefallen, dass es bei den meisten Läden/ Orten am Eingang eine kleine Stufe gibt, die man vorher nicht bemerkt hat, aber für Rollstuhlfahrer schon ein großes Hindernis darstellt.”

Austausch mit Ladenbesitzern und Passanten

Rosa, Angelina, Tassia, Antonia und Oskar der Klasse 9.23 untersuchten als interdisziplinäre Gruppe die nördliche Seite der Belziger Straße auf Rollstuhlgerechtigkeit. Das heißt: Jede/r im Team hatte ein andere Rolle. Für sie stand mehr der Austausch mit Ladenbesitzern (aus der Rollenperspektive “Architekt”) und Passanten (aus der Rollenperspektive “Statistiker”) im Vordergrund:

“Wir mussten leider sehr häufig feststellen, dass mehrere Läden noch gar nicht über einen rollstuhlgerechten Eingang nachgedacht hatten und sich auch nicht sonderlich dafür einsetzten, dafür in Zukunft etwas zu tun. Wenn wir sie jedoch darauf ansprachen, zeigten sie sich verständnisvoll und einsichtig und interessierten sich für die Möglichkeiten, ihren Laden rollstuhlgerechter zu gestalten. […] Das Meinungsbild der Leute, die wir befragten, war in den Punkten „Barrierefreiheit“ ziemlich einstimmig, jedoch gab es bei den Punkten „Behinderung“ sehr unterschiedliche Reaktionen auf die Fragen. Die Männer und Frauen der verschiedenen Altersgruppen waren sich bei der Frage, ob die Barrierefreiheit weiterhin mehr unterstützt werden sollte, alle einig, dass der Staat Barrierefreiheit nicht nur in Berlin fördern sollte und dass Barrierefreiheit eine Selbstverständlichkeit sein sollte. Selbst Geld für die Barrierrefreiheit bezahlen, würden allerdings nur sehr wenige.”

Da der Kontakt zu den Mitarbeitern der Shops und Cafés auf diese Weise schon einmal hergestellt war, warben viele der Gruppen parallel auch gleich für das Spendenprojekt “Tausendundeine Rampe“, das im November noch einige mobile Rampen kostenlos an Betreiber zu vergeben hatte. Damit wurden mehrere der nicht rollstuhlgerechten Orte im Anschluss an das Schulprojekt zugänglich gemacht.

Hilfreiche Empfehlungen

Neben den kleinen Anekdoten enthielten die Umfrageergebnisse und die Berichte auch einige Empfehlungen. So merkte zum Beispiel Linus an: “Wir hatten keine Rollstühle, deshalb konnten wir Vieles nicht testen.” Dies deckte sich mit der Meinung von Seiten vieler Lehrkräfte, die eine ausreichende Anzahl von Leih-Rollstühlen für die Erlebbarkeit der Barrieren für essentiell hielt.

Was dies betrifft, können wir interessierten Lehrerinnen und Lehrern jedoch optimistisch mit auf den Weg geben, dass Organisation und Logistik von Rollstühlen natürlich um Einiges leichter fallen, wenn nicht gerade 700 Schüler bzw. 30 Klassen auf einen Schlag (wie in der Sophie-Scholl-Schule) zu versorgen sind.

Eine weiteren guten Tipp fanden wir auch, ganz bewusst gemischte Gruppen zu der praktischen Untersuchung loszuschicken. Das hat den Vorteil, dass die Journalistinnen und Journalisten dann gezielt den Stoff für ihre “Berichterstattung” aufzeichnen können, die wiederum auch für die anschließende Reflexion in der Klasse und den Abschlussbericht eine gute Grundlage ist.

Was den zeitlichen Rahmen angeht, empfahlen mehrere LehrerInnen, den praktischen Teil des Projekts am Wandertag durchzuführen oder an einem anderen Tag, der extra für spezielle Veranstaltungen eingeplant ist – um Unterrichtsausfall anderer Fächer zu vermeiden.

Neues Bewusstsein für Barrieren

Alles in allem: 90 Prozent der befragten Schülerinnen und Schülern würden das Projekt weiterempfehlen. Ihnen hat es, wie Cäcilie formulierte,

“Spaß gemacht, anderen zu helfen und ein Sozialheld zu sein.”

Ihr Blick für Barrieren ist geschärft: “Wir sind uns jetzt viel mehr bewusst, welche Schwierigkeiten sie im Alltag haben, und können uns jetzt viel mehr in sie hineinversetzen”, fasst Yumisa das Erlebte zusammen.

Hinsichtlich der Fortführung von “Wheelmap macht Schule” hat Alina abschließend noch ein paar ermutigende Worte für uns:

“Ich persönlich finde, dass soziale Projekte mehr Unterstützung bekommen sollten und dass solche Projekttage genau die richtige Lösung sind. Ich wünsche weiterhin viel Erfolg mit Ihrem Projekt!”

Danke an Alina, Yannik, Yumisa, Rosa, Angelina, Tassia, Antonia, Oskar, Linus und Cäcilie für ihre Einblicke und an alle SchülerInnen und LehrerInnen der Sophie-Scholl-Schule für ihre Einschätzungen und Anmerkungen. Interessierte Pädagoginnen und Pädagogen, die selbst gerne ein Klassenprojekt mit “Wheelmap macht Schule” durchführen wollen, können die Unterrichtsmaterialien bei uns bestellen.

Veröffentlicht in Aktuelles, Schulprojekt
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Wie nehmen wir Barrieren wahr? Welche Grenzen bilden sich in unseren Köpfen? Um diese und ähnliche Fragen geht es im Schulprojekt zur Inklusion, “Wheelmap macht Schule”, zu dem wir kostenlos Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellen.

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