“Die Schüler motiviert, dass Wheelmap ein reales Projekt ist”

Im zweiten Teil des Interviews berichtet Lisa Manthey von ihren Erfahrungen mit der Durchführung des Projekts “Wheelmap macht Schule” an der Sophie-Scholl-Schule in Berlin. Sie gibt ganz praktische, organisatorische Tipps und erzählt, wie man die Begeisterung seiner Klasse weckt.

Als Hauptorganisatorin hat Lisa selbst im November einen großen Projekttag mit 700 Schülerinnen und Schülern der Mittelstufe, d.h. für die Klassen 7 bis 10 durchgeführt, an dem der praktische Teil von “Wheelmap macht Schule” stattfand.

Lisa, was ist grundsätzlich bei der Organisation zu beachten?

In einer Schule mit über 1000 Schülerinnen und Schülern und ca. 120 Lehrkräften, steht man als Organisator vor ganz praktischen Koordinationsproblemen. Es muss festgelegt werden, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Stadtteil die Gruppen unterwegs sind, um den ÖPNV nicht zu überfordern und keine gebietsmäßigen Überschneidungen beim Mappen zu haben.

Lisa

Lisa Manthey

Wenn am Tag selbst Klassen noch eine Einführung oder eine Nachbereitung stattfindet: Welche Räume stehen dafür zur Verfügung? Außerdem sollten Lehrerinnen und Lehrer im Vorfeld in der Wheelmap schauen, ob es überhaupt noch unmarkierte Orte in den Straßen gibt, wo sie die Jugendlichen zum Mappen hinschicken wollen. Dabei müssen die generellen Öffnungszeiten der Läden beachtet werden, es hat wenig Sinn, wenn die Schüler sich bereits um 8 Uhr auf den Weg machen.

Außerdem müssen ggf. Einverständniserklärungen der Eltern eingeholt werden, weil die Schülerinnen und Schüler ohne unmittelbare Aufsicht unterwegs sind, denn die Lehrkraft kann nicht bei allen Gruppen gleichzeitig sein.

Generell sollte man das Material und die Wheelmap und ihre Funktionsweise gut kennen. Daher ist bei einem so großen Projekt mir mehreren Schulklassen auch ein Koordinator/ eine Koordinatorin als AnsprechpartnerIn für das Inhaltliche und den Ablauf wichtig.

Wie viel Vorbereitungszeit hatten die LehrerInnen im Vorfeld des Projekttages?

Das Material stand dem Kollegium ca. zwei Monate vor dem Projekttag zur Verfügung. Dieser Vorlauf empfiehlt sich auch, da man sich einarbeiten und einen organisatorischen Rahmen festlegen muss.

Wie kamen die Gruppen in ihren Rollen zurecht?

Die Schülerinnen und Schüler waren sehr motiviert und engagiert in ihren Rollen unterwegs. Das war sehr beeindruckend. Die Statistiken von Wheelmap.org, die in der Abschlussbilanz zeigten, dass 300 neue Ortsmarkierungen durch ihre Hilfe dazugekommen waren, empfanden sie dann auch als tolles Erfolgserlebnis.

Was würdest du interessierten Lehrkräften empfehlen, die in Zukunft einen Projekttag mit ihrer Klasse durchführen wollen?

Am wichtigsten ist es, die SchülerInnen am Anfang zu motivieren. Am besten funktioniert das, indem man deutlich macht, was dieses Projekt bewirkt, das heißt, auch die Sozialhelden vorzustellen und den Rahmen und Hintergrund von Wheelmap.org.

Es muss der Klasse klar sein, dass das Projekt real ist, dass es aus einem konkreten sozialen Problem heraus entstanden ist, RollstuhlfahrerInnen hilft und dass es da ein Team in Berlin gibt, das sich beruflich täglich damit beschäftigt. Das ist der große Vorteil bei diesem Projekt, denn viele Materialien im Lehrbuch sind für die Schülerinnen und Schüler oft nicht so greifbar.

Was den Perspektivenwechsel anbelangt, ist es sehr ratsam, Rollstühle auszuleihen. Die Barrieren und dadurch auch die Einschränkung der Mobilität zu erleben, treibt die Erfahrungen für die Jugendlichen auf die Spitze. Das sieht man auch an den Abschlussberichten. Aber auch die anderen Rollen in dem Projekt haben sichtbaren Effekt auf die Schülerinnen und Schüler.

Welchen Lernzuwachs bietet “Wheelmap macht Schule”?

Mit “Wheelmap macht Schule” können sich die Schülerinnen und Schüler auf mehreren Ebenen weiterbilden. Der Lernzuwachs enthält einen internen, intellektuellen Faktor und einen externen Faktor des (Inter-) Agierens in und mit der unmittelbaren Umgebung: Die Jugendlichen lernen, dass sie Dinge, wie sie sind, nicht akzeptieren müssen – in diesem Fall: Normen, Einstellungen zu Menschen mit Behinderung und Barrieren – und dass sie selbst Teil der Veränderung sein können, indem sie aktiv werden.

Wie das Unterrichtsprojekt “Wheelmap macht Schule” entstanden ist und nach welchen pädagogischen Überlegungen es konzipiert wurde, hat uns Lisa im ersten Teil des Interviews erklärt. 

Veröffentlicht in Aktuelles, Schulprojekt
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